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09.09.2015, 11:49 Uhr | Andreas Neumicke Übersicht | Drucken
Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Dirk Stettner (CDU)
Wie gefährlich ist der Chemieunterricht an Berliner Schulen?

Im Folgenden finden Sie die Antworten der Senatsverwaltung für Bildung,
Jugend und Wissenschaft auf die schriftliche Anfrage des Abgeordneten Dirk Stettner (CDU) vom 22. Juli 2015 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 24. Juli 2015)

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie folgt:
 
1. Welche Unfälle im Chemieunterricht sind dem Se-nat in den letzten 10 Jahren bekannt (bitte Auflistung nach Bezirken)?
 
Zu 1.: Unfälle im naturwissenschaftlichen Unterricht werden weder von der Unfallkasse Berlin noch von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft statistisch erfasst. Im Jahr 2013 wurden von der Unfall-kasse 63.812 Versicherungsfälle der Schüler-Unfallversi-cherung (DGVU) registriert, darunter war kein Versiche-rungsfall mit Bezug zum Chemieunterricht aus dem Be-reich der Berliner Schulen. Chemieunfälle an Berliner Schulen sind außerordentlich selten, deshalb werden diese laut Unfallkasse Berlin in der für Versicherungsfälle ge-führten 3%-Statistik nicht erfasst und auch nicht geson-dert ausgewertet.

2. Wie regelmäßig werden Chemielehrer zum fachge-rechten Umgang und zur Lagerung von Chemikalien geschult und gibt es Weiterbildungsrichtlinien?


 


Bürgerbüro Dirk Stettner
 
Berlin -  Zu 2.: Neben der regionalen Fortbildung bietet die Unfallkasse Berlin regelmäßig Seminare zur Sicherheit im naturwissenschaftlichen Unterricht an. Weiterbildungen zur Befähigung der Unterrichtserteilung werden im Jahr 2015 im Fach Naturwissenschaften der Grundstufe in Berliner Schulen angeboten, nicht aber allein bezogen auf das Fach Chemie. Die an der o. g. Weiterbildung teilneh-menden Lehrkräfte erhalten eine Sicherheitsbelehrung.
3. Welche Vorschriften gibt es für die Lagerung von Chemikalien in Schulen?
Zu 3.: Zum Zwecke des sicheren Umgangs mit Che-mikalien (und insbesondere Gefahrstoffen) existiert in der Bundesrepublik Deutschland ein umfangreiches Gefahr-stoffregelwerk. Neben dem Chemikaliengesetz und der Gefahrstoffverordnung sind hierbei die einschlägigen Regelungen in den Unfallverhütungsvorschriften zu nen-nen. Die sich hieraus ergebenden Anforderungen werden insbesondere auch für Schulen durch die allgemein aner-kannten Regeln der Technik, z.B. Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), DIN-Normen und Richtlinien (z.B. in den Richtlinien der Kultusministerkonferenz zur Si-cherheit im Unterricht – GUV-SI 8070) konkretisiert. Die Vorgaben zur Lagerung der Chemikalien in den Berliner Schulen entsprechen diesen Richtlinien.
Durch Fachbriefe werden die Chemie-Fachbereiche der Schulen regelmäßig über Neuerungen der gesetzlichen Regelungen im Umgang mit Chemikalien informiert.
4. Wurden die Chemikalienbestände den Rahmen-lehrplänen angepasst?
Zu 4.: Die im Rahmenlehrplan aufgeführten Themen-felder und Inhalte können an den Schulen in unterschied-lichen Kontexten bearbeitet werden, für die ganz unter-schiedliche Materialien und Stoffe vorgehalten werden müssen. Im Rahmenlehrplan Chemie finden sich deshalb keine Auflistungen von Chemikalien.
5. Wie werden nicht verbrauchte und nicht mehr ge-brauchte Chemikalien entsorgt?
6. Wer prüft den sachgemäßen Umgang mit Chemi-kalien im Unterricht und bei der Lagerung?
Zu 5. und 6.: Chemielehrerinnen und -lehrer erhalten im Rahmen ihrer Ausbildung umfangreiche Schulungen zur Sicherheit im Chemieunterricht. Dazu gehören u.a.:
 Umgang mit den Sicherheitsdatenblättern der Lie-feranten,
 Sicherheitsratschläge der Schüler-Unfallversiche-rung und der aktuellen Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht (RISU),
 Richtlinien zur Aufbewahrung und Katalogisie-rung von Chemikalien (Zugang, Schränke, Lüftung, maximale Menge, Inventarliste der Gefahr-stoffe für die Feuerwehr, Entsorgung alter Stoffe),
 Etikettierung der Stoffe nach aktuellem Kenn-zeichnungsrecht,
 Umgangsverbote: Bestimmte Chemikalien dürfen oder sollten an allgemeinbildenden Schulen gar nicht verwendet werden.
 Sicherheitsregeln: Für die persönliche Sicherheit aller Beteiligten ist zu sorgen (z. B. Schutzbrille, Handschuhe, Schutzkleidung, Staubschutz, Gehör-schutz, Schutzscheibe).
 Kenntnis der Hilfsmittel für die Erste Hilfe, z. B. Feuerlöschdecken, Feuerlöscher, Erste-Hilfe-Apotheke, Wasseranschluss, Chemikalienbinde-mittel, Augenspülung, Abfallbehälter,
 Sicherheitstechnische Einrichtung: Diese muss ge-währleisten, dass die Gefahren auf ein Minimum reduziert werden, z. B. Vorhandensein eines Ab-zuges, Raumlüftung, Rauchverbot, Ess- und Trinkverbot.
 Entsorgung: Chemikalien müssen sachgerecht ent-sorgt werden. Die Menge an Stoffabfällen ist mög-lichst gering zu halten. Die Schulen verfügen über Entsorgungskonzepte mit getrennten Sam-melbehältern.
Für die Referendarinnen und Referendare der natur-wissenschaftlichen Fächer ist die Teilnahme an einer Sicherheitsbelehrung verpflichtend.
Die Lagerung der Chemikalien in den Berliner Schu-len wird auf jährlichen Begehungen vom Schulträger überprüft. Die fachgerechte Entsorgung der Chemikalien erfolgt ebenfalls über die Schulträger. 
7. Welche Ursachen lagen dem Unfall im Chemie-unterricht in der Heinrich-Schliemann-Oberschule vom Februar 2015 zu Grunde?
Zu 7.: Im Chemieunterricht wurde eine sog. Pharao-schlange aus Emser Pastillen, Asche und Spiritus (max. 5 ml) hergestellt. Emser Pastillen bestehen aus Zucker und Natron (Hydrogencarbonat). Die Verbrennung des Zu-ckers wird durch die Asche katalysiert. Das Carbonat zersetzt sich in der Hitze unter Bildung von Kohlenstoff-dioxid, einem Gas, das die Reste des verbrennenden Zu-ckers aufbläht. So entsteht eine lockere, schlangenartige Masse aus Zuckerkohle.
Dieses bekannte Experiment ist harmlos und norma-lerweise ungefährlich. Vermutlich ist der Unfall durch den unsachgemäßen Umgang mit Spiritus ausgelöst wor-den. Ähnliche Verpuffungen geschehen beim Grillen, wenn Spiritus aus der Flasche auf die Grillkohle gegossen wird und die Flamme dann in die Flasche zurückschlägt.
Berlin, den 28. Juli 2015

In Vertretung
 
Sigrid Klebba
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft


aktualisiert von Andreas Neumicke, 09.09.2015, 12:04 Uhr

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